„The Girlie Show“ Tour ’93 im Rückblick

Genau heute vor 20 Jahren startete Madonna ihre GIRLIE SHOW in London! Mit diesem Bericht möchten wir eines ihrer tollsten und erfolgreichsten Tourneen beleuchten. Also: „Hereinspaziert, hereinspaziert!“

The greatest show on earth is about to begin!

Madonna sagte einst nach ihrer BLOND AMBITION Tour 1990, dass sie nie wieder auf Tour gehen wolle. Umso höher war die Überraschung, als 1993  eine neue Welttournee angekündigt wurde: THE GIRLIE SHOW, Madonna’s 4. Tournee.  Da sich Madonna immer  wieder neu erfindet, ist jede Tournee für den Besucher eine komplett neue Erfahrung. Mit ihrer Girlie Show wurde jeder auf eine Gefühlsreise geschickt, die durch das  ständige geänderte Bühnenbild, die Intensität der Performance als auch durch die Nähe zu dem Publikum zu erklären ist. Die Girlie Show war kein Rockkonzert, sondern  eine kunstvolle und geschmackvolle Inszenierung ihrer besten Hits und ihres damals aktuellen Albums „Erotica“.

„There once was a girl, who had a little curl, right in the middle of her forehead, When she was good, she was very very good, But when she was bad, she was amazing, Think you’ve seen it all? Think again. Madonna, live, The Girlie Show Tour“ (– MTV commercial)

Bereits im Juni 1993 verkündete ICON (der offizielle Madonna Fanclub aus USA) in seinem Newsletter, dass eine Tour anstehe. Weitere Details hierzu gab es noch nicht, doch spätestens jetzt waren die Fans Feuer und Flamme!  Jetzt hieß es nur noch Warten und auf baldige Termine hoffen. Immerhin mussten die Eintrittskarten besorgt und ggf. Bahn-/Flugtickets und Unterbringungen arrangiert werden.

Nachdem das Grundkonzept für die Tour stand, mussten natürlich Tänzer her. Anzeigen im „Daily Variety“ und „Hollywood Reporter“ wurden geschaltet, die zu einem Vorsprechen einluden. Es wurden 3 „very special girls“ und „few good men“ gesucht. Unter „very special girls“ wurden androgyne Frauen mit sehr kurzen Haaren ausgewählt, die „gut“ tanzen können und unter „few good men“ verstand man Männer, die wandlungsfähig sind und erforderliches „classical training“ und „street sensibility“ mitbrachten. Das Ganze fand am 30. Juni 1993 in Los Angeles in der „3rd Street Dance Academy“ statt und das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen.

Nachdem die Band zusammengestellt war, die Tänzer jede Choreographie einstudiert hatten, die Background Sängerinnen alle Songs mitsingen konnten, alle Kostüme durch Dolce & Gabbana fertig geschneidert wurde und alle Fans mit  Eintrittskarten ausgestattet waren, konnte die Show beginnen. Doch das Publikum hatte keine Ahnung, was sie nun innerhalb der nächsten zwei Stunden erwartete. Madonnas Interpretation zur Girlie Show: Peepshow, Zirkus und Karneval alles in einer Show zusammen gebündelt!

Yes Sir, Mrs. Sir, Yes Sir!

Bereits beim Einlass konnte man den roten Samtvorhang erkennen sowie den übergroßen Schriftzug „The Girlie Show“ über dem  Bühnenbild erblicken. Jeder, der jemals ein Madonna Konzert besucht hat, kennt und genießt diesen Moment, wenn plötzlich alle Lichter erlöschen und die ersten Töne  erklingen, die aber noch nicht verraten, welcher bekannte Song gespielt wird. Das Adrenalin strömt durch die Adern, die Kehle wird aufs Äußerste gereizt und die Hände  gen Himmel geworfen. Als Eröffnung der Girlie Show ertönt Zirkusmusik, doch noch ist nicht klar, ob das Intro schon zur Show gehört. Kurze Zeit später erklingen tiefe  Basstöne, ein Teil des Samtvorhangs öffnet sich, ein Scheinwerfer wird auf einen sich drehenden Harlekin geworfen, der kurze Zeit später im Boden der Bühne  verschwindet. Spätestens jetzt wird allen klar: „The show is about to begin“. Während der Harlekin im Boden eintaucht, zeigt er auf eine Striptease-Tänzerin, die sich  freizügig und ausschließlich im Strintanga gekleidet an einer langen Metallstange von der Bühnendecke in  Richtung Boden herunterschlängelt und dabei „Erotica, Romance“ haucht. Mit gewagten Bewegungen kommt sie dem Boden immer näher und verschwindet anschließend im Nichts, als sich Madonna an der Stelle empor hob, wo vorher der Harlekin verschwand! „Go!“ Mit Peitsche in der Hand, knappen Shorts mit Oberteil, hohen Lackstiefeln und einer Augenmaske bereitet Madonna ihr Publikum auf eine fast zweistündige Show voller Höhepunkte vor.

– „Erotica“ ist ihr erster Song und wird mit erotischen Bewegungen und Peitschenhieben dargeboten. Die Schwelle zwischen prickelnd und obzön ist schmal, doch Madonna schafft es, die Waage zu halten! Während Madonna sich mit ihrer Peitsche vergnügt, werden im Hintergrund durch die Tänzer Boxkämpfe dargestellt. „Erotic……a“! Das Publikum gab tosenden Applaus und dreht förmlich durch, als Madonna den Catwalk betritt.

– „Fever„: Mit langsamen Schritten entledigt sie sich der Peitsche, Ihrer Weste und zum Schluss ihrer Augenmaske und steht nun Auge in Auge mit ihrem Publikum. „You Give Me Fever!“. Aus dem Boden des Catwalks erscheinen zwei gutgebaute Männer, die Madonna während der Chroreographie bis auf die enge Boxershorts auszieht. Ein angedeutetes Liebesspiel zu dritt sowie der Machtkampf zwischen den zwei Männern auf dem Catwalk trieb dem einen oder anderen eine Schweißperle auf die Stirn. Zum Abschluss des Songs versinken alle drei auf der Bühne im Feuer: „What a lovely way to burn!“.

– „Vogue“ ist als dieser Song zu Beginn noch nicht zu erkennen. Zunächst erklingen asiatische Töne, Niki und Donna betreten die Bühne, ein cooler Rhytmus ertönt, bringt das Publikum in rasende Spannung und lässt es explodieren, als die bekannte Melodie aus „Vogue“ ertönt. Madonna erscheint als asiatische Tempeltänzerin, lässt sich von ihren Tänzern in die Luft heben, steigt über ihre gebeugten Rücken hinweg und bewegt mit Niki und Donna zur indisch angehauchten „Vogue“-Variante einen Hindu Tanz auf.

– „Rain„: Dieser Song lässt Madonna ein wenig verschnaufen. In der Bühnenmitte tauchen drei Barhocker auf, auf denen Madonna und Ihre Sängerinnen Platz nehmen und zusätzlich zur Musik dreistimmig singen. Ein Genuss für die Ohren. Mit einem kleinen Abstecher zu „Just My Imagination“ (von „The Temptations“) wird eine kleine Szene aus dem Film „Singing In The Rain“ mit Regenschirmen und -mänteln durch die Tänzer nachgespielt!

I’M GONNA TAKE YOU TO A PLACE YOU HAVE NEVER BEEN BEFORE!

– „Express Yourself„: ein komplettes geändertes Bühnenbild zeigt sich. Paliettenpants raus, Trillerpfeifen umgebunden und blonde Afroperücke aufgesetzt: schon kann es losgehen! Alles glänzt und glitzert. Vor allem, als eine übergroße Discokugel von der Bühnendecke herabgelassen wird, auf der Madonna sitzt! Auf der Bühne wird ordentlich als Hippie getanzt und eigentlich eine riesen Party gefeiert.

– „Deeper And Deeper„: „Express Yourself“ geht sofort in „Deeper And Deeper“ und die Party geht weiter. Nun kommen alle Tänzer auf die Bühne, gekleidet á la Flower Power und zeigen, was man mit Federboas alles machen kann.

– „Why It’s So Hard„: Nach der Orgie und nachdem jeder mit jedem fertig ist, geht’s wieder etwas gesitteter auf der Bühne zu. Die gespielten Liebesakte klingen aus.

– „In This Life„: Nach einer AIDS Ansprache („die Tragödie des 20sten Jahrhunderts!“) erklingen die ersten Töne zu „In This Life“. Alleine auf dem Catwalk besingt sie das Publikum und berührt das Publikum sentimental. Im Hintergrund sitzt ein Harlekin auf einer Leiter und beobachtet das Geschehen stillschweigend.

– „The Beast Within„: diese apokalyptische Choreographiedarbietung zeigt sich vom Feinsten! Während Madonna’s Zitate aus der Bibel aus dem Off ertönen und die Band ihr Bestes gibt, zeigen die Tänzer was sie drauf haben. Durch grazile Bewegungen, Gleichmäßigkeit und Kombination ist diese Einlage nicht nur etwas für’s Auge, sondern auch für die Sinne.

– „Like A Virgin„: Erneut hat sich das Bühnenbild geändert, denn plötzlich hängen zwei überdimensionale Krohnleuchter von der Bühnendecke, die Bühnenwand in mit dem roten Samtvorhang geschmückt und Madonna erscheint verkleidet als Marlene Dietrich im Smoking, Zylinder und Gehstock auf der Bühne. Mit ihrem gestellten deutschen Akzent singt sie „Like A Virgin“ in Kombination mit „Falling in love again“ (von Marlene Dietrich), stellt einen Kampf mit einem Harlekin dar und beweist, wer hier die Hosen anhat!

WUNDERBARRRRRR!!!!

– „Bye Bye Baby„: Immer noch im Smoking geht es mit der nächsten Nummer weiter. Heiß geht’s her, denn sie begrüßt das Publikum zur „greatest show on earth is about to begin“. Nicht nur, dass Madonna, Niki und Donna (die „boys“) im Smoking auftreten, auch die Tänzerinnen im engen Body ähnlichen Outfit betreten die Bühne und führen ein heißes Beieinander mit allen Beteiligten in nachstehender Reihenfolge aus: Anmache – Verführung – Fallenlassen – Ausnutzen – Sex – Verlassen! Zu guter letzte gibt’s noch eine „Fuck-Woman“-Ansprache durch die „boys“!

– „I’m Going Bananas„: Was für eine überraschende Wendung und ein überraschender Song, mit dem niemand gerechnet hat. Nach einem kurzen Durchdrehen auf der Bühne, geht’s mit einem Tophit weiter.

– „La Isla Bonita„: Percussions und Gitarrenklänge lassen das Feeling der Südsee einläuten. Madonna im gestreiften Oberteil und mit einem Bandana um den Kopf gewickelt lässt sie die Hüften rhytmisch kreisen. Auch an großartigen Tanzeinlagen wird nicht gespart und laden dazu ein, selbst mitzutanzen!

Ein kleines Pläuschchen mit dem Publikum gefällig?

– „Holiday„: Marschmusik, eine amerikanische Flagge wird im Hintergrund angehängt, Madonna und ihre restliche Crew erscheinen in Militärmänteln. Auch hier gibt Madonna den Ton an! Während der kurzen Songunterbrechung weist und staucht sie das Publikum humorvoll zusammen. Auf Fragen erwartet sie stets die Antwort „Yes Sir, Mrs. Sir, Yes Sir!“. Zum  Songende dreht Madonna völlig durch und flüchtet vor Niki und Donna. Der Samtvorhang schließt sich.

– „Justify My Love„: C’mon baby! Im Kleidungsstil von „My Fair Lady“ wird Madonna und Ihre Tanzcrew auf die Bühne geleitet. Im Hintergrund erscheint ein Schachbrettmuster, was die Darbietung auf der Bühne besser zur Geltung kommen lässt.

– „Everybody„: Mit dem letzten Song des Konzertes geht es auf der Bühne nochmal richtig zur Sache! Nach dem Intro „Everybody Is A Star“ (von „Sly & The Family Stone“) zeigt jeder nochmal, was er drauf hat. Zuerst wird gemeinsam gegroovt und anschließend die ganze Crew vorgestellt, während immer noch „Everybody“ gespielt wird. Ein ehrenwürdiger Schluss und Huldigung aller beteiligten Bandmitglieder. Nachdem alle von der Bühne verschwunden sind und der Samtvorhang sich schloss, ertönte letztmalig die Zirkusmusik. Ein Harlekin betrat die Bühne, verabschiedete sich vom Publikum. Und als die Maske abgenommen wurde, verbarg sich Madonna in dem Kostüm und beendete das Konzert mit dem Satz: „Everybody Is A Star!“ und einem Augenzwinkern.

Der letzte Song wurde gesungen, der rote Samtvorhang neigte sich und das Flutlicht des Stadions wurde eingeschaltet. Das Konzert ist zu Ende! Während das Publikum sich von der aufregenden Gefühlsreise erholt, schreiben die Reporter fleißig ihre Berichte, so dass das Konzert am nächsten Tag in der Presse zerrissen sowohl gelobt wird. „Zu öbzön“ trifft „eine gelunge Revueinszenierung“.

Sorry, Germany!

Während der dreimonatigen Welttournee sollte natürlich auch Deutschland mit auf dem Zettel stehen. Da Madonna 3 Jahre zuvor ihre deutschen Fans mit zwei Konzerten in Deutschland mit Ihrer „Blond Ambition Tour“ beglückte, war die Anspannung nun groß, da für „The Girlie Show“ nur 1 Konzert in Frankfurt/Main geplant war. Der Vorverkauf hierfür begann am 23.08.1993 und nur 3 Tage später waren alle 13.000 Karten restlos ausverkauft, somit war der große Andrang an die Tickets vorprogrammiert. Womit jedoch keiner rechnete: das einzige Deutschland-Konzert wurde drei Tage vor dem Gig abgesagt!

Nachdem beide Konzerte in London am 25. und 26. September 1993 hinter sich lagen, hat der Politiker Norbert Geis laut über ein Verbot des Deutschland-Konzertes nachgedacht. Äußerungen wie „Die Show ist eine Erregung öffentlichen Ärgernisses“ und „Unter Kunst verstehe ich etwas anderes“ wurden in der Presse zitiert, so dass sich Panik unter der deutschen Fans breit machte. Zwar kommentierte die deutsche Konzertagentur Marek Lieberberg diese Aussagen mit „Alles Quatsch, Madonna tritt auf!“ gegenüber unseres Fanclubs, doch am 30.09.1993 kam das endgültige AUS per Fax mit der Betreffzeile: „Madonna-Konzert in Frankfurt abgesagt! Logistische Probleme unüberwindbar“.

Auszug aus der Pressemitteilung:

„Das für die Produktion verantwortliche US-Team konfrontierte den deutschen Veranstalter am Donnerstag mit dem endgültigen Aus, nachdem sich erst auf der Europatournee Aufbauzeiten herauskristallisiert hatten, die in Frankfurt nicht zu realisieren waren. Mindestens 21 Stunden wären für die komplizierte Produktion erforderlich gewesen. Diesen Zeitraum konnte in der Frankfurter Festhalle jedoch nicht gewährleistet werden, weil am Tag zuvor dort David Copperfield gastiert. Alle Versuche, einen Ersatztermin zu finden, scheiterten an anderen internationen Verpflichtungen von Madonna.“

Auch wenn der Versuch unternommen wurde, ein deutsches Konzert zu realisieren, war die Enttäuschung der deutschen Fans enorm. Am nächsten Tag wurde in der Presse über den Ausfall der Frankfurter Show berichtet: „Frankfurt bleibt Madonna-frei“ und „Madonna kann nicht zaubern“. Ausweichmöglichkeiten innerhalb Europa waren sehr eingeschränkt, da die nächsten Konzerte im weit entfernten Israel und der Türkei stattfanden.

Unser Madonna Fanclub wollte natürlich tätig werden und die Konzertabsage nicht einfach so hinnehmen. Direkt am 01. Oktober 1993 haben wir über unseren damaligen Newsletter über eine Postkartenaktion informiert und gleichzeitig eine Pressemitteilung veröffentlicht:

„Sofort nach dem Bekanntwerden der Absage des einzigen Madonna-Konzertes in Deutschland wurde der offizielle Madonna Fanclub aktiv. Mit einer groß angelegten Postkartenaktion soll die deutsche Plattenfirma aufgefordert werden, sich intensiv um einen Ersatztermin für das ausgefallene Konzert zu bemühen.
1.700 Karten wurden bereits an die Mitglieder des Fanclubs verschickt, weitere sollen im Rahmen von Anzeigen bzw. Mitteilungen in den großen Jugendzeitschriten an die Madonna-Fans versant werden“

Am 26. Oktober 1993 kam seitens der Plattenfirma Warner Music Germany einen Rückmeldung zur Postkartenaktion. Es wurde zugesichert, dass seitens der Plattenfirma alles getan wurde, zumindest einen Ersatztermin zu erreichen. Als Vorschlag wurde gegenüber des amerikanischen Managements angegeben, das dritte Pariser Konzert zugunsten Frankfurts ausfallen zu lassen. Dieses wurde jedoch abgelehnt, da am Vortag in Frankfurt David Copperfield auftrat und dem Team nicht gestattet würde, bestimmte wichtige Teile des Equipments in der Halle vorab installieren zu dürfen. Auch wurde mitgeteilt, dass der Fehler beim amerikanischen Touragenten lag, der den Umfang der „Girlie Show“ Produktion im Verhältnis zum Weg Paris-Frankfurt und zur Größe der Produktion falsch eingeschätzt hatte. Nicht desto trotz wurde für die deutschen Fans leider kein Ersatztermin gefunden, obwohl sich die deutschen Fans sowie unser Fanclub dagegen gewehrt haben.

*** Everybody Is A Star ***

Und für jeden, der die DVD zur „Girlie Show“ noch nicht hat, kann sie gern über Amazon bestellen. 

Stephan

Newsautor

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